Feldpostkarte der 90th Division
                         Feldpostkarte der 90th Division

 

 

Amerikanische Besatzung 1918/19

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges begannen die Allierten, die linksrheinischen Gebiete des Rheinlandes zu besetzen. Kurz nachdem die von der Westfront heimkehrenden deutschen Truppen durch Bernkastel gezogen waren, erreichten am 2. Dezember 1918 die ersten Truppen der amerikanischen Besatzungsmacht das Moselstädtchen.

Es handelte sich hierbei um die 90th Division, die in den US-Staaten Texas und Oklahoma aufgestellt und daher das "TO" in ihrem Divisionszeichen trugen. Als Teil des US-Expeditionsheeres unter der Führung von General Pershing waren sie noch kurz zuvor in schwere Kämpfe gegen die Deutschen in Frankreich (Maas-Argonnen-Offensive bei Verdun / St. Mihiel) beteiligt.
Sie bezogen ihr Hauptquartier im Hotel "Burg Landshut" am Bernkasteler Gestade.

 

 

Hauptquartier der 90th Division     Hauptquartier der 90th Division                                                             Hauptquartier der 90th Division im Hotel Burg Landshut

 

 

Als rauhe - aber meist gutmütige Gesellen wurden sie beschrieben und viele Bernkasteler Kinder lernten erstmals in ihrem Leben Schokolade und Bonbons kennen. Das Verhältnis zur Bernkasteler Einwohnerschaft war -obwohl es auch zu Requierungen kam- recht gut, was sich auch in der Aufstellung eines Musikpavillons vor dem "Kreis-Krieger-Denkmal" am Gestade ausdrückte, in dem die amerikanische Militärkapelle jeden Sonntagmorgen um 11.00 Uhr ein Konzert gab. Auch ihren eigenen Soldaten wurde Abwechslung im oft eintönigen Besatzungsalltag geboten: Mit Football-Games und einer Horse-Show versuchte man, die Truppe bei Laune zu halten.

 

 Football auf dem Kueser Werth   Horse-Show auf dem Kueser Werth
             08.02.1919: Football auf dem Kueser Werth                 14.03.1919: Horse-Show auf dem Kueser Werth

 

 

 

Der Höhepunkt dieser Aktivitäten und zugleich der Abschied von Bernkastel fand am 1. und 2. Mai auf dem Kueser Werth statt. Mit einer 2-tägigen "Circus and County Fair" , einer Art von Kirmes, wurde das Ende der sechsmonatigen Besatzungszeit gefeiert.

Das Fest wurde von 15.000 Soldaten besucht, die "Hot Dogs" aßen und mit einem Festumzug, Clown- und Akrobatenvorstellungen, türkischem Tanz und einer "Wild West Show" unterhalten wurden. Viel Beifall fanden auch die Indianer aus Oklahoma, die auf ihren Pferden Lassos schwangen und eine Postkutsche ausraubten.
Der einheimischen Bevölkerung war es untersagt, an diesem Event teilzunehmen. Trotzdem beoabachteten Hunderte Bernkasteler und Kueser aus den Weinbergen beidseitig der Mosel dieses für sie einmalige Ereignis.

 

Bernkasteler Zeitung: Es ist verboten, das Kueser Werth zu betreten
            Bekanntmachung in der Bernkasteler Zeitung

 

 

Am 2.Mai 1919 berichtet die Bernkasteler Zeitung:

"Karnevalistische Umzüge fanden gestern und heute anläßlich der großen Zirkusvorstellungen für die amerikanischen Besatzungstruppen statt. Die Züge, an die sich die Vorstellungen des Zirkus gestern und heute anschlossen, bewegten sich über die Schanzstraße, Gestade, Moselbrücke nach dem Cueser Werth." 

 


Zu diesem Anlaß wurden extra eigene Geldscheine mit der Währung "Teeohs" gedruckt, mit denen die Soldaten für die gebotenen Attraktionen bezahlen konnten.
Diese Scheine sind heute begehrte Sammlerstücke.

     

10 Teeohs  20 Teeohs

50 Teeohs  100 Teeohs
                                                           Eigene "Währung": 10, 20, 50 und 100 "Teeohs"

 

 

Kurz darauf konnten die Amerikaner wieder in ihre Heimat zurückkehren. Neue Besatzer wurden ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahr 1930 die Franzosen.

 

 

 

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